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Die Arktis - Chancen und Risiken einer extremen Region


Collage zum Thema Arktis


Die globalen klimatischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte haben das Gesicht der Arktis verändert. Das Abschmelzen weiter Teile der arktischen Vereisung führte zu einem verbesserten Zugang zu dieser Region. Damit gewinnen die im Seegebiet der Arktis vermuteten Rohstofflagerstätten, aber auch die mögliche Nutzung des Seegebietes für den Gütertransport an Bedeutung. Ungeklärte Grenzverläufe und vermutete Rohstofflagerstätten jenseits der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszonen (auch 200-Meilen-Zonen genannt) zählen dabei zu potentiellen Konfliktfeldern.

Im Sommer 2007 führte eine mit Hilfe eines U-Bootes medienwirksam aufgestellte russische Flagge am Grund des Nordpols zu Befürchtungen über einen bevorstehenden „Kampf um die Rohstoffe“. Eine „Militarisierung“ der Region, Konflikte bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Anrainerstaaten wurden langfristig für möglich gehalten. Hinzu kamen und kommen die Belange der indigenen Bevölkerung sowie Fragen des Umweltschutzes.

All dies wirft ein Schlaglicht auf vielschichtige Interessenkonflikte, die auch für Deutschland von Bedeutung sein können. Der BND verfolgt daher im Rahmen seines Auftrages die Entwicklungen in der Arktis und informiert die Entscheidungsträger der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik über die geostrategischen Entwicklungen in dieser Region

Sicherheitspolitische Aspekte

Zentraler Punkt der sicherheitspolitischen Überlegungen sind die unterschiedlichen mittel- und langfristigen Ziele der verschiedenen Interessengruppen: der einzelnen Anrainerstaaten, der Mitglieder des Arktischen Rates, der Europäischen Union aber auch Chinas.

In diesem Zusammenhang beschäftigt sich der BND zum Beispiel intensiv mit den verschiedenen nationalen aber auch mit supranationalen strategischen Grundlagendokumenten und betrachtet sie im sicherheits-, wirtschafts- und umweltpolitischen Gesamtkontext.

Ziel ist es, mögliche Nutzungskonflikte, -risiken und -folgen frühzeitig zu identifizieren, die die Stabilität der Region beeinflussen könnten.

Wirtschaftliche Bedeutung

Karte zu den Rohstoffpotentialen in der ArktisArktis - Rohstoffpotentiale

Neue, noch zu erschließende Rohstoffvorkommen und Fischgründe sowie eisfreie Passagen durch das Nordpolarmeer können bei einem Anhalten des Klimawandels nicht nur für die Anrainerstaaten viele wirtschaftliche Vorteile bedeuten.

Größere wirtschaftliche Impulse sind jedoch, wenn überhaupt, nur langfristig zu erwarten. Die extremen klimatischen Bedingungen in der Arktisregion lassen eine wirtschaftliche Exploration und Förderung von Bodenschätzen, insbesondere der dortigen Öl- und Gasvorkommen, allenfalls im Bereich des Festlands oder küstennaher Bereiche zu. Dagegen hat der „Kampf um die Rohstoffe“ in den umstrittenen Seegebieten der Arktis keine realistische Grundlage: Größere Rohstoffvorkommen sind dort nicht vorhanden.


Wichtiger sind dagegen die Veränderungen für die weltweite Seeschifffahrt, die sich aus dem Abschmelzen der arktischen Vereisung ergeben: Aufgrund der dadurch ermöglichten neuen Seewege durch die Arktis – die Nordwest- bzw. Nordostpassage – ist längerfristig mit einer deutlichen Steigerung des Schiffsverkehrs in der Region zu rechnen.

Die infrastrukturellen Bedingungen in der Arktis sind jedoch derzeit noch nicht darauf ausgelegt, einen signifikanten Anstieg des Verkehrsaufkommens sicher, effizient und zugleich umweltverträglich zu gewährleisten.

Da die Polarrouten auf absehbare Zeit nicht von großen, wirtschaftlich effizienten Containerschiffen befahren werden können, relativiert sich das Einsparpotenzial durch kürzere Transportstrecken maßgeblich. Bis auf weiteres wird daher das Gros der Warenströme weiter über die südlichen, längeren Routen fließen.

Umweltpolitische Bedeutung

Die empfindlichen Ökosysteme der Arktis sind bisher relativ wenig vom Menschen beeinträchtigt. Mit einer intensiveren Nutzung dieses Lebensraumes würden für die Arktis neue Gefahren, z. B. durch Verschmutzung, Lärm, Havarien oder stark zunehmenden Tourismus, entstehen. Hier gilt es, Risiken, Gefahren oder problematische Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und die politischen Initiativen zur Schadensminimierung durch gezielte Informationen zu unterstützen.

Zusammenfassung

Derzeit betonen alle Anrainerstaaten, weitere involvierte Nationen aber auch die beteiligten nationalen bzw. internationalen Organisationen, bei der Nutzbarmachung der Ressourcen der Arktis kooperativ vorgehen zu wollen. Es herrscht weitestgehend Konsens darüber, dass die Region (unter Beachtung ökologischer Belange) möglichst nachhaltig entwickelt werden soll. Weiterhin ist man sich einig, mögliche Konflikte friedlich, unter Nutzung internationaler politischer Gremien (z. B der Vereinten Nationen) und unter Beachtung internationaler Rechtsstandards zu lösen.