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Entführungen deutscher Staatsangehöriger im Ausland


Collage Entführungen


Das Risiko

Entführungen – im Strafrecht bezeichnet als „Erpresserischer Menschenraub“ – sind ein globales Phänomen mit hohen Wachstumsraten. Vorsichtige Schätzungen deuten inzwischen auf gut 50.000 Fälle pro Jahr hin, wobei der kontinuierliche Anstieg der Fallzahlen vor allem Folge einer geographischen Ausbreitung ist. Das Problem wächst weniger in den ohnehin seit langem betroffenen Weltregionen, sondern breitet sich in bislang nicht oder wenig betroffene Staaten stetig aus. In der Folge steigt besonders für Staaten mit exportorientierter Wirtschaft, weltweitem Engagement in der Entwicklungshilfe und einer reisefreudigen Bevölkerung das Risiko, im Ausland mit Entführungen konfrontiert zu werden.

Es steigt jedoch nicht allein das Risiko, dass deutsche Staatsangehörige im Ausland Opfer einer Entführung werden; bei Fällen mit politischem oder ideologisch-weltanschaulichem Motivhintergrund gibt es auch eine klare Tendenz zu einer stetigen Verschärfung der Begleitumstände. Im Durchschnitt dauern Entführungen inzwischen gut elf Monate. Fälle mit tragischem Ende nehmen zu.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Während kriminell motivierte Entführungen meist von regionalen Sicherheitsbehörden oder durch private Lösegeldzahlungen gelöst werden, sind politisch-weltanschaulich motivierte Fälle meist begleitet von besonderer Kompromisslosigkeit der Täter, sehr hohen Lösegeld- und politischen Forderungen. Sehr häufig besteht zudem ein Terrorismusbezug bzw. sind die Entführer Partei eines innerstaatlichen bewaffneten Konfliktes. Die nachfolgende Karte gibt einen Überblick über abgeschlossene Entführungsfälle mit politischem, ideologischem oder weltanschaulichem Hintergrund.



Der Krisenstab der Bundesregierung

Zur Rettung von entführten Bundesbürgern aus diesen potentiell lebensbedrohlichen Notlagen ist meist ein breites Spektrum politischer, diplomatischer und polizeilicher Maßnahmen erforderlich. Zur Koordinierung wird jeweils lagebezogen ein „Krisenstab der Bundesregierung“ etabliert. Hier kommen – meist unter Leitung des Auswärtigen Amtes – hochrangige Vertreter verschiedener Ministerien und der Sicherheitsbehörden des Bundes zusammen, um alle landesweit verfügbaren Ressourcen auf die Lösung der jeweiligen Krisenlage auszurichten und Entscheidungen zum konkreten Vorgehen herbeizuführen. Der Bundesnachrichtendienst ist permanenter Bestandteil des Krisenstabes der Bundesregierung.


Rolle des Bundesnachrichtendienstes bei Entführungen von Bundesbürgern im Ausland

Information ist die unverzichtbare Grundlage aller Aktivitäten des Krisenstabes der Bundesregierung. Es gilt, eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Informationsgewinnung auf den Entführungsfall auszurichten und bereits vorhandene bzw. neu beschaffte Informationen in ein Lagebild zu integrieren.

Beim Bundesnachrichtendienst wird hierzu ein interner Krisenstab etabliert, welcher unmittelbar der Leitung untersteht und mit Priorität Zugriff auf alle Ressourcen des Dienstes hat.

Doch es geht nicht nur um die Beschaffung von Informationen; wo nötig stellt der Bundesnachrichtendienst Kontakte zu Regierungen, staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen oder relevanten Personen her. Ein weltweites Netz von Repräsentanzen in weit über einhundert Staaten steht zur Verfügung und hält Verbindung zu Nachrichtendiensten und Exekutivbehörden.

Neben Informationsgewinnung und Herstellung von Verbindungen unterstützt der Bundesnachrichtendienst den Krisenstab der Bundesregierung noch in einer dritten Dimension signifikant; Informationen entfalten meist erst dann Ihren vollen Aussagewert, wenn sie kompetent analysiert und in Zusammenhänge eingeordnet werden. Hierzu verfügt  der Bundesnachrichtendienst über umfassende analytische Kapazitäten mit hochintegrierter Arbeitsweise, um den zugrundeliegenden Sachverhalt in übergeordnete Zusammenhänge einordnen zu können.