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Ein kurzer Abriss zur Geschichte der Kryptologie


Bild einer Verschlüsselungseinrichtung


Weltweit wird seit Tausenden von Jahren Kryptologie eingesetzt. Die Spartaner benutzten als erste um 500 v. Chr. dazu ein Gerät, die sogenannte Skytale, die ein Transpositionsverfahren realisiert. Nach Julius Caesar ist das von ihm angewendete Substitutionsverfahren benannt.

Geboren wurde die Kryptologie als Kryptographie und Kryptoanalyse ab dem 7. Jahrhundert in Arabien. Das erste Buch über Kryptologie wurde von Abu‘Abd al-Rahman al-Khalil ibn Ahmad ibn’Amr ibn Tammam al Farahidi al-Zadi al Yahmadi, der etwa im Zeitraum 718 -791 n. Chr. lebte, geschrieben. Sein Titel war „Kitab al-mu amma“ und gilt als verschollen.

Im Jahre 1453 eroberten die türkischen Osmanen unter Mehmet II Konstantinopel. Papst Nikolaus V sah sich gezwungen zu reagieren. Im Vertrag zu Lodi 1454 wurde eine Pentarchie der fünf größten italienischen Staaten Venedig, Mailand, Florenz, Rom und Neapel gegründet, auf welche die Ursprünge der modernen Diplomatie zurückgehen. Damit die Gesandten sicher geheime Botschaften senden und empfangen konnten, war jetzt die Geburtsstunde der Kryptologie im westlichen Europa gekommen.

Der Architekt, Künstler und Gelehrte Leo Battista Alberti ist der Erfinder des ersten Chiffriergerätes, des Diskus-Schiebers (Abb. 1). Er ist auf seine Erfindung stolz und preist sie als unentzifferbar in lauten Worten an:

„Jetzt will ich über das von mir erfundene Verfahren sprechen. Dieses hat folgende Vorzüge: Von allen Verfahren, die man verwenden könnte, ist keines praktischer, Keines lässt sich bequemer schreiben, Keines schneller und leichter lesen, wenn man den üblichen Maßstab anlegt, Keines kann erdacht werden, das unter der Voraussetzung, dass man die zwischen mir und dem Adressaten vereinbarten Zeichen nicht kennt, undurchsichtiger wäre. Ich versichere, dass aller Scharfsinn und alle Geschick- lichkeit aller Menschen zusammen, alles Bemühen selbst der Unermüdlichsten, alle Künste und Versuche daran scheitern werden. Wenn jemand die Vereinbarung nicht kennt, gelingt es ihm niemals, wenn er einen nach unserem Chiffrierverfahren verschlüsselten Text vorfindet, irgendetwas zu verstehen. Ich darf daher mit Recht feststellen, dass dieses Chiffrierverfahren verdient, von Königen verwandt zu werden, die es ohne eingeweihten Mittelsmann mit geringer Mühe sehr bequem benutzen können.“

Chiffrierscheiben nach Leo Baptisda Alberti (1404–1472)Abb.1: Chiffrierscheiben nach Leo Baptisda Alberti (1404–1472)

Von 1462 – 1516 lebte der Schutzpatron der Kryptologen, Abt Johannes Trithemius. Er nannte sich nach seinem Geburtsort Trittenheim an der Mosel zwischen Cochem und Trier. Trithemius schrieb das erste gedruckte Buch über Kryptologie und ent- wickelte die polyalphabetischen Chiffriersysteme weiter, die für rund 400 Jahre als unlösbar galten.

1863 wurde ein Buch des preußischen Majors Friedrich W. Kasiski in Berlin bei Mittler & Sohn mit dem Titel „Die Geheimschrif- ten und die Dechiffrierkunst“ veröffentlicht, in dem allgemeine Lösungsmethoden für polyalphabetische Chiffriersysteme mit sich wiederholenden Schlüsselwörtern angegeben werden.

Mechanisches Chiffriergerät von Alexander von Kryha (1891–1955)Abb.2: Mechanisches Chiffriergerät von Alexander von Kryha (1891–1955)

Das ab 1924 von A. von Kryha entwickelte, produzierte und vermarktete mechanische Chiffriergerät in der Abb. 2 (geöffnet und mit zusätzlichem Schlüsselset) zeigt sehr deutlich wie bei der Chiffrierscheibe von Alberti die Gegenüberstellung zweier Alphabete. Mittels eines sehr umfangreichen Schlüssels statt Schlüsselwörtern soll ein polyalphabetisches Chiffriersystem mit möglichst langer Periode realisiert werden.

Konkurrierende Geräte wurden u. a. von Boris Caesar Wilhelm Hagelin (Abb. 3) und Arthur Scherbius (Abb. 4) angeboten.

Mechanisches Chiffriergerät C-36 von Boris Caesar Wilhelm Hagelin (1892–1983)Abb.3: Mechanisches Chiffriergerät C-36 von Boris Caesar Wilhelm Hagelin (1892–1983)

Chiffriergerät ENIGMA (Heer) nach Arthur Scherbius (1878–1929)Abb.4: Chiffriergerät ENIGMA (Heer) nach Arthur Scherbius (1878–1929)